Die Storchenregion Fehrbellin-Rhinluch

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Fehrbellin-Linum
Fehrbellin-Linum

Das Rhinluch ist eine Niedermoorlandschaft die vom namensgebenden Fluss Rhin durchflossen wird und nördlich von Fehrbellin im Landkreis Ostprignitz-Ruppin gelegen ist. Das Rhinluch reicht von Kremmen bis nach Neustadt an der Dosse. Es bildete sich während der letzten Eiszeit und der Nacheiszeit. Zunächst entstand vor ca. 16.000 Jahren das Eberswalder Urstromtal als Abflussbahn der Schmelzwässer des Gletschereises. Dieses große Flusstal fiel mit dem weiteren Zurückschmelzen der Gletscher noch in der Eiszeit trocken. An einzelnen Stellen im heutigen Rhinluch bildeten sich zunächst Seen, vor allem im Bereich von Toteiskesseln. Diese wurden im Laufe der Zeit durch den natürlichen Verlandungsprozess zu Mooren. Weiterhin kam es in der Nacheiszeit zur großflächigen Bildung von Versumpfungsmooren, die direkt auf den Sand des Urstromtales aufwuchsen.   Bis vor 350 Jahren war hier ein unzugängliches Gebiet. Unter Friedrich Wilhelm I. - dem Soldatenkönig - wurde das Land entwässert und urbar gemacht und im Rahmen von Meliorationsmaßnahmen zu Wiesen und Weiden umgestaltet.

Im 19. Jahrhundert wurde in der Region auch reichlich Torf zum Heizen für die Berliner gewonnen. Es entstand eine einzigartige Kulturlandschaft, die heute insbesondere als Brutgebiet für Wasser- und Wiesenvögel ornithologische Bedeutung besitzt. Ein besonderes Naturschauspiel im Rhinluch ist die Kranichrast. Im Herbst und Frühjahr rasten Zehntausende von Wildgänsen und Kranichen aus Skandinavien und Sibirien auf ihrem Weg in die Überwinterungsquartiere in Südfrankreich, Spanien und Nordafrika im angrenzenden Teichland, dem größten binnenländischen Kranichrastgebiet Mitteleuropas. In den letzten Jahren bleibt jedoch immer öfter ein zunehmender Teil der Kraniche im Gebiet, da insbesondere durch den steigenden Maisanbau das Futterangebot auch den Winter über konstant bleibt. Die äußerst seltene und streng geschützte europäische Sumpfschildkröte hat hier eines der wenigen noch verbliebenen Verbreitungsgebiete.

Der Theodor Fontane beschrieb vor über hundert Jahren das Rhinluch in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg so:
<q>Wie das Havelland den Mittelpunkt Alt-Brandenburgs bildet, so bildet das Luch wiederum den Mittelpunkt des Havellandes. Dieses ist ungefähr fünfzig Quadratmeilen groß; in diesen fünfzig Quadratmeilen stecken die zweiundzwanzig Quadratmeilen des Luchs wie ein Kern in der Schale. Die Form dieses Kerns ist aber nicht rund, auch nicht oval oder elliptisch, sondern pilzförmig; wie ein Pilz mit kurzem dicken Stengel, breitem schirmförmigen Dach und einer großen kugelförmigen Wurzel. Der Längsdurchschnitt eines solchen Pilzes verdeutlicht, welche Form das Luch einnimmt. Das Luch besteht aus zwei Hälften, aus einer schirmförmig-nördlichen und einer kugelförmig-südlichen, die beide da, wo der kurze Strunk des Pilzes läuft, nah zusammentreffen. Die schirmförmige Hälfte heißt das Rhinluch, die kugelförmige das Havelländische Luch. Das Verbindungsstück zwischen beiden hat keinen besonderen Namen. Dies verhältnismäßig schmale, dem Strunk des Pilzes entsprechende Verbindungsstück ist dadurch entstanden, daß sich von rechts und links her Sandplateaus in den Luchgrund hineingeschoben haben. Diese Sandplateaus führen wohlgekannte Namen; das östliche ist das zu besondrem historischen Ansehn gelangte ‘Ländchen Bellin’, das westliche heißt ‘Ländchen Friesack’. Diese beiden ‘Ländchen’ sind alte Sitze der Kultur, und ihre Hauptstädte, Fehrbellin und Friesack, wurden schon genannt, als beide Luche noch einem See glichen, der in der Sommerzeit zu einem ungesunden, unsicheren Sumpfland zusammentrocknete.</q>

 Das Ruppiner Storchendorf Linum liegt ca. eine halbe Stunde von Neuruppin entfernt. Bis zu 18 Storchenpaare nisten hier jährlich und ziehen ihre Jungen auf. Im feuchten Rhinluch finden sie genug Nahrung für sich und ihren Nachwuchs. Am ersten Wochenende im August findet das jährliche das Storchenfest statt.